Die Online-Marketing-Geschichte lässt sich in fünf Phasen gliedern: E-Mail und Web-Präsenz, Suchmaschinen und Suchmaschinenoptimierung, Google Ads und Social Media, Mobile Marketing und datengetriebene Plattformen sowie seit 2023 die KI-gestützte Suche. Für KMU folgt daraus eine klare Priorität: Gemietete Reichweite kann eigene Kanäle ergänzen, aber Website, Positionierung, First-Party-Daten und Datenhoheit muss ein Unternehmen selbst aufbauen.
Diese Zeitleiste führt von 1971 bis zum Stand 2026. Sie zeigt, wie sich fünf unternehmerisch wichtige Faktoren verändert haben: Reichweite, Messbarkeit, Kosten, Kontrolle und Plattformabhängigkeit. Aus meiner Arbeit mit inhabergeführten Betrieben weiß ich: Wer die Online-Marketing-Entwicklung versteht, bewertet neue Werkzeuge nüchterner und investiert seltener in kurzfristige Maßnahmen ohne tragfähiges Fundament.
Die Geschichte des Online-Marketings ist die Entwicklung von Reichweite, Messbarkeit, Kosten und Kontrolle über digitale Kanäle.
Die Online-Marketing-Geschichte als Zeitleiste von 1971 bis 2026
Die technische Vorgeschichte beginnt vor dem World Wide Web. 1971 entwickelte Ray Tomlinson laut Lemelson-MIT die netzwerkfähige E-Mail. Für die wirtschaftliche Entwicklung des Online-Marketings wurde das öffentliche Web ab 1991 zum entscheidenden Ausgangspunkt.
- 1971: Die netzwerkfähige E-Mail schafft eine technische Grundlage für digitale Direktkommunikation.
- 1991: Tim Berners-Lee macht das World Wide Web über das CERN-Umfeld hinaus bekannt. CERN dokumentiert diesen Schritt in seiner Web-Geschichte.
- 1996 bis 1998: Aus dem Suchprojekt BackRub entsteht Google. Laut der Unternehmensgeschichte von Google begann das Projekt 1996; 1998 wurde Google als Unternehmen gegründet.
- 2000: Google startet AdWords, das heutige Google Ads. Suchmaschinenwerbung entwickelt sich damit zu einem skalierbaren Geschäftsmodell.
- 2004: Facebook startet am 4. Februar 2004 und prägt in den folgenden Jahren die Entwicklung des Social-Media-Marketings.
- 2007: Apple stellt am 9. Januar das erste iPhone vor. Das Smartphone beschleunigt die Verlagerung von Suche, Kommunikation und Einkauf auf mobile Geräte.
- 2018: Die Datenschutz-Grundverordnung wird am 25. Mai 2018 anwendbar. Tracking, Einwilligung und die Verarbeitung personenbezogener Daten müssen seitdem differenziert beurteilt werden.
- 2021: Apple führt mit iOS 14.5 verpflichtende Abfragen für app- und websiteübergreifendes Tracking ein.
- 2023 bis 2024: Google testet generative Antworten in der Suche und beginnt im Mai 2024 mit der breiten Einführung von AI Overviews in den USA.
- 2025 bis 2026: Klassische Suchmaschinen, KI-Antwortsysteme und eigene Kanäle bestehen nebeneinander. Die Website dient als überprüfbare Quelle für Menschen, Suchmaschinen und KI-Systeme.
Online-Marketing oder digitales Marketing?
Digitales Marketing ist der übergeordnete Begriff für Marketing mit digitalen Technologien. Online-Marketing bezeichnet den Teil davon, der internetbasierte Kanäle nutzt: Websites, Suchmaschinen, E-Mail, Google Ads, Social Media, Online-Marktplätze und zunehmend KI-gestützte Such- und Antwortsysteme.
Die Abgrenzung hilft bei der Kanalplanung: Ein digitaler Bildschirm im Geschäft gehört zum digitalen Marketing, während eine Suchkampagne oder ein Unternehmensblog klar dem Online-Marketing zuzuordnen ist.
Phase 1: E-Mail und Website schaffen eigene digitale Reichweite
Die erste Phase reicht von den technischen Grundlagen der E-Mail im Jahr 1971 bis zur Verbreitung von Websites in den 1990er-Jahren. Unternehmen konnten Informationen erstmals unabhängig von Öffnungszeiten, Druckauflagen und geografischer Entfernung veröffentlichen.
Frühe Websites waren meist statische Informationsseiten. Interaktion, laufende Erfolgsmessung und direkte Transaktionen spielten zunächst eine kleinere Rolle. Trotzdem entstand in dieser Phase ein bis heute wichtiger Vorteil: ein eigener, kontrollierbarer digitaler Kanal.
- Reichweite: Unternehmensinformationen wurden weltweit und rund um die Uhr erreichbar.
- Messbarkeit: Einfache Serverstatistiken zeigten Besuche, lieferten aber nur begrenzte Aussagen über Verhalten und Geschäftserfolg.
- Kosten: Digitale Veröffentlichung senkte langfristig die Kosten für Aktualisierung und Verteilung von Informationen.
- Kontrolle: Inhalte und Struktur der eigenen Website lagen weitgehend beim Unternehmen.
- KMU-Relevanz: Kleine Betriebe konnten ohne großes Medienbudget überregional sichtbar werden.
Damit entstand früh das Prinzip der Owned Media: Kanäle und Inhalte, die ein Unternehmen selbst kontrolliert. Eine eigene Domain, eine Website und eine eigene E-Mail-Liste sind weniger von Plattformregeln abhängig als ein Social-Media-Profil.
Phase 2: Suchmaschinen, SEO und Google Ads machen Bedarf messbar
Mit der wachsenden Zahl an Websites entstand ein neues Problem: Menschen mussten relevante Informationen finden können. Suchmaschinen wurden zum Navigationssystem des Webs. Für Unternehmen reichte eine bloße Web-Präsenz nicht mehr aus. Die Website musste bei passenden Suchanfragen sichtbar werden.
Damit gewann die Suchmaschinenoptimierung wirtschaftliche Bedeutung. SEO verbindet technische Zugänglichkeit, verständliche Inhalte, thematische Relevanz und externe Vertrauenssignale. Eine Suchmaschine muss erkennen können, welches Problem eine Seite für welche Zielgruppe löst.
Parallel veränderte das Web 2.0 die Rollenverteilung. Blogs, Foren und Plattformen machten Nutzer zu Verfassern, Kommentatoren und Bewertern. Kommunikation verlief nicht mehr nur vom Unternehmen zum Markt. Öffentliche Reaktionen beeinflussten zunehmend Sichtbarkeit und Vertrauen.
Google Ads ergänzte die organische Suche um bezahlte Sichtbarkeit. Der zentrale Unterschied zu vielen klassischen Werbeformen lag in der erkennbaren Suchabsicht: Eine Anzeige konnte erscheinen, wenn ein Mensch bereits nach einer Leistung, einem Produkt oder einer Lösung suchte.
- Reichweite: Suchmaschinen brachten Unternehmen mit Menschen zusammen, die einen konkreten Informations- oder Kaufbedarf äußerten.
- Messbarkeit: Suchbegriffe, Klicks und Handlungen auf der Website konnten miteinander verbunden werden.
- Kosten: Der Einstieg war flexibel, doch attraktive Suchbegriffe wurden mit wachsendem Wettbewerb teurer.
- Kontrolle: Die Website blieb der eigene Zielort, während die Sichtbarkeit zunehmend von Suchmaschinenregeln abhing.
- KMU-Relevanz: Kleine Unternehmen konnten gezielt in einzelnen Regionen, Leistungsbereichen oder Nischen werben.
SEO und Google Ads erfüllen unterschiedliche Aufgaben. SEO baut langfristig auffindbare Inhalte auf. Google Ads kann kurzfristig Nachfrage erschließen oder Angebote testen. Beide Maßnahmen funktionieren besser, wenn Positionierung, Leistungsversprechen und Website klar aufeinander abgestimmt sind.
Phase 3: Social Media und Mobile Marketing verlagern Kontrolle
Mit Facebook, YouTube, Instagram, LinkedIn, TikTok und weiteren Plattformen verlagerte sich ein Teil des Online-Marketings von der aktiven Suche in algorithmisch zusammengestellte Feeds. In einer Suchmaschine formuliert ein Mensch seinen Bedarf. In Social Media entscheidet die Plattform, welche Inhalte voraussichtlich Aufmerksamkeit erhalten.
Das Smartphone verstärkte diese Verschiebung. Seit der Vorstellung des iPhone im Jahr 2007 wurde das Internet zunehmend zum ständigen Begleiter. Mobile Marketing bedeutete deshalb mehr als eine verkleinerte Desktop-Website.
Websites, Anzeigen, E-Mails und Formulare mussten schnell laden, auf kleinen Bildschirmen funktionieren und in kurzen Nutzungssituationen verständlich sein. Standortfunktionen, Kamera, mobile Bezahlung und Benachrichtigungen eröffneten zusätzliche Anwendungen.
- Reichweite: Plattformen ermöglichten hohe Sichtkontaktzahlen und schnelle Verbreitung.
- Messbarkeit: Plattformen lieferten detaillierte Kennzahlen, kontrollierten aber deren Definition und Verfügbarkeit.
- Kosten: Organische Reichweite war in frühen Plattformphasen häufig leichter erreichbar und wurde später unberechenbarer.
- Kontrolle: Algorithmen, Anzeigenregeln und Kontosperren lagen außerhalb des Einflusses eines Unternehmens.
- KMU-Relevanz: Kleine Betriebe erhielten direkten Zugang zu Zielgruppen, übernahmen aber ein wachsendes Plattformrisiko.
Social Media ist ein wichtiger Verteiler für Inhalte und Angebote. Problematisch wird der Kanal, wenn ein Unternehmen seine gesamte Kommunikation, seine Kontakte und sein Wissen ausschließlich dort aufbaut. Dann entsteht eine hohe Plattformabhängigkeit.
Phase 4: Datenschutz und Tracking-Grenzen stärken eigene Daten
Die vierte Phase beginnt spätestens 2018 mit stärkerer Regulierung und setzt sich mit technischen Einschränkungen des Trackings fort. Die DSGVO gilt seit dem 25. Mai 2018. Die Aussage, jede Form von Tracking benötige allein wegen der DSGVO eine Einwilligung, ist jedoch zu pauschal.
Ob Cookies oder andere Technologien eine Einwilligung erfordern, richtet sich primär nach den einschlägigen ePrivacy-Vorschriften und ihrer nationalen Umsetzung. Die DSGVO regelt zusätzlich die Verarbeitung personenbezogener Daten und stellt Anforderungen an eine wirksame Einwilligung. Dazu gehören Freiwilligkeit, ausreichende Information, eine eindeutige bestätigende Handlung und eine einfache Widerrufsmöglichkeit.
Parallel begrenzten Browser und Betriebssysteme den Zugriff auf bestimmte Tracking-Daten. Messbares Marketing blieb möglich, doch die eindeutige Zuordnung einzelner Kontakte zu Anzeigen, Plattformen und Geräten wurde schwieriger.
- Reichweite: Bezahlte Ausspielung blieb möglich, während personalisierte Ansprache teilweise eingeschränkt wurde.
- Messbarkeit: Lücken in der Attribution und geräteübergreifenden Zuordnung nahmen zu.
- Kosten: Unklare Angebote und schwache Kampagnen ließen sich mit lückenhaften Daten schlechter optimieren.
- Kontrolle: Eigene Messziele und eigene Datenbestände wurden wichtiger.
- KMU-Relevanz: First-Party-Daten, E-Mail-Marketing, direkte Anfragen und gepflegte Kontaktdaten gewannen an Wert.
First-Party-Daten sind Informationen, die Dein Unternehmen im direkten Kontakt mit Interessenten und Auftraggebern erhält. Dazu können Anfragen, Newsletter-Anmeldungen, Käufe, Servicekontakte und freiwillig angegebene Interessen gehören. Entscheidend ist nicht die größtmögliche Datenmenge, sondern eine klare, rechtmäßige und für definierte Zwecke nutzbare Datengrundlage.
In über 20 Jahren Arbeit mit KMU habe ich nur selten erlebt, dass ein Betrieb an zu wenigen Marketingkanälen scheitert. Häufiger fehlen eine verständliche Angebotsstruktur, definierte Messziele, gepflegte Kontaktdaten oder eine Website, die aus Aufmerksamkeit eine passende Anfrage macht. Zusätzliche Werkzeuge lösen diese Grundlagenprobleme nicht.
Phase 5: KI-Suche erweitert SEO und verändert Sichtbarkeit
Seit 2023 ergänzt generative KI die klassische Suche. Suchmaschinen zeigen bei bestimmten Anfragen nicht nur eine Liste mit Links, sondern erzeugen zusammengefasste Antworten. Eigenständige KI-Systeme werden ebenfalls für Recherche, Vergleiche und Empfehlungen eingesetzt.
Google begann 2023 mit der Search Generative Experience und führte 2024 AI Overviews zunächst breit in den USA ein. Die derzeitige Google-Produktseite nennt AI Overviews als in mehr als 120 Ländern und Territorien sowie in 11 Sprachen verfügbar. Der AI Mode besitzt eine eigene Verfügbarkeitsliste. Region, Sprache, Konto und Teilfunktion beeinflussen daher, welche KI-Suchfunktionen ein Nutzer tatsächlich sieht.
Die Nutzung wächst, ersetzt klassische Suchmaschinen aber nicht pauschal. Im Generative AI and News Report 2025 des Reuters Institute stieg die wöchentliche Nutzung generativer KI in sechs untersuchten Ländern von 18 Prozent im Jahr 2024 auf 34 Prozent im Jahr 2025. 24 Prozent nutzten generative KI wöchentlich zur Informationssuche; im Vorjahr waren es 11 Prozent. Zudem berichteten 54 Prozent, in der vorherigen Woche eine KI-generierte Antwort innerhalb einer Suchmaschine gesehen zu haben.
Diese Werte sind kein globaler Suchmarktanteil. Die Studie basiert auf Befragungen in Argentinien, Dänemark, Frankreich, Japan, dem Vereinigten Königreich und den USA. Die Ergebnisse zeigen, dass Informationssuche nicht mehr ausschließlich über klassische Ergebnislisten stattfindet.
KI-Sichtbarkeit bezeichnet die auffindbare, korrekte und nachvollziehbare Darstellung eines Unternehmens in KI-Antworten. KI-Sichtbarkeit ersetzt SEO nicht. Sie erweitert die Aufgabe um eindeutige Markeninformationen, zitierfähige Aussagen und maschinenlesbare Zusammenhänge.
- Reichweite: Unternehmen können in Suchergebnissen, KI-Zusammenfassungen und eigenständigen Antwortsystemen erscheinen.
- Messbarkeit: Quellenaufrufe und Empfehlungen innerhalb von KI-Antworten sind noch nicht durchgehend nachvollziehbar.
- Kosten: Gut strukturierte Grundlagen können über mehrere Such- und Antwortsysteme wirken.
- Kontrolle: Das jeweilige System entscheidet über Auswahl und Formulierung einer KI-Antwort; kontrollierbar bleibt die Qualität der eigenen Quelle.
- KMU-Relevanz: Klare Leistungen, Standorte, Ansprechpartner und Fachinhalte helfen Suchmaschinen und KI-Systemen, einen Betrieb richtig einzuordnen.
Für Online-Marketing 2026 gilt deshalb: Klassische Suche, KI-Antwortsysteme und eigene Kanäle ergänzen sich. Eine vertiefende Einordnung bietet unser Rückblick auf die SEO-Entwicklungen, die 2026 wirklich zählen.
Was in der Online-Marketing-Geschichte blieb und was sich änderte
Die Geschichte des Online-Marketings ist keine reine Abfolge neuer Kanäle. Mehrere strategische Muster ziehen sich durch alle fünf Phasen.
Was geblieben ist
- Menschen suchen Orientierung. Technik verändert den Zugang, nicht das grundlegende Bedürfnis nach verständlichen und glaubwürdigen Informationen.
- Positionierung entscheidet über Wirkung. Mehr Reichweite gleicht eine unklare Positionierung nicht aus.
- Die eigene Quelle bleibt wichtig. Eine fachlich belastbare Website und nachvollziehbare Unternehmensinformationen bilden die Grundlage digitaler Sichtbarkeit.
- Vertrauen entsteht über Zeit. Wiedererkennbarkeit, hilfreiche Inhalte und verlässliche Leistungen wirken nachhaltiger als kurzfristige Aufmerksamkeit.
- Messung braucht ein Geschäftsziel. Klicks, Aufrufe und Reichweite sind nur relevant, wenn sie zu passenden Anfragen, Aufträgen oder langfristigen Beziehungen beitragen.
Was sich verändert hat
- Die Zahl der Vermittler ist gewachsen. Suchmaschinen, soziale Netzwerke, App-Stores, Marktplätze und KI-Systeme beeinflussen den Zugang zu Unternehmen.
- Messbarkeit wurde genauer und zugleich lückenhafter. Datenschutz, technische Einschränkungen und geräteübergreifende Nutzung begrenzen eindeutige Zuordnungen.
- Inhalte müssen für Menschen und Maschinen verständlich sein. Eindeutige Begriffe und Strukturen sind heute Teil guter Kommunikation.
- Reichweite erfordert in etablierten Kanälen mehr Aufwand. Mit wachsendem Wettbewerb steigen häufig Produktions-, Betreuungs- und Anzeigenkosten.
- Datenhoheit hat strategischen Wert. Eigene Kontakte und Inhalte verringern die Abhängigkeit von fremden Regeln.
Neue Kanäle verbessern Ergebnisse nur, wenn Positionierung, Angebot und eigenes digitales Fundament bereits klar sind.
Sieben Lehren aus der Online-Marketing-Geschichte für KMU
- 1. Baue die eigene Website als digitales Fundament auf. Die Website sollte Leistungen erklären, Vertrauen schaffen, Anfragen ermöglichen und Wissen strukturiert bereitstellen.
- 2. Verstehe SEO als Infrastruktur. Suchmaschinenoptimierung beginnt bei klarer Sprache, nachvollziehbaren Seiten, technischer Zugänglichkeit und hilfreichen Antworten.
- 3. Pflege First-Party-Daten verantwortungsvoll. Direkte Kontakte und freiwillig bereitgestellte Informationen sind langfristig belastbarer als anonyme Plattformreichweite.
- 4. Nutze Google Ads und Social Media als Verstärker. Bezahlte Reichweite kann ein gutes Angebot beschleunigen, aber keine unklare Positionierung ausgleichen.
- 5. Verbinde Kennzahlen mit wirtschaftlichen Ergebnissen. Miss nicht nur Klicks, sondern passende Anfragen, Aufträge und den tatsächlichen Wert für den Betrieb.
- 6. Begrenze Plattformabhängigkeit. Verteile Sichtbarkeit auf mehrere Zugänge und führe Menschen möglichst in eigene Kanäle weiter.
- 7. Strukturiere Inhalte für Suche und KI-Systeme. Klare Fakten, konsistente Begriffe, konkrete Antworten und erkennbare Zuständigkeiten verbessern die korrekte Einordnung.
Die eigene Website ist 2026 mehr als eine digitale Broschüre. Sie ist Vertrauensbasis, Vertriebskanal, Wissensquelle und kontrollierbarer Mittelpunkt des Marketings. Mit dem Selbstcheck für die Website als digitale Zentrale kannst Du prüfen, ob Dein aktuelles Fundament diese Aufgaben bereits erfüllt.
Ein 90-Tage-Plan für bessere Marketingentscheidungen
Die historische Einordnung wird unternehmerisch relevant, wenn daraus konkrete Entscheidungen entstehen. Für KMU empfehle ich drei aufeinander aufbauende Schritte statt eines kurzfristigen Kanalwechsels.
Tag 1 bis 30: Eigenes Fundament prüfen
- Formuliere klar, für wen Dein Unternehmen welches Problem löst.
- Prüfe, ob Leistungen, Standorte und Ansprechpartner auf der Website eindeutig beschrieben sind.
- Erfasse alle genutzten Kanäle und unterscheide eigene, bezahlte und plattformabhängige Zugänge.
- Prüfe Ladezeit, mobile Nutzung, Kontaktwege und technische Auffindbarkeit.
- Dokumentiere, welche Inhalte, Kontaktdaten und Analysewerte tatsächlich Deinem Unternehmen gehören.
Tag 31 bis 60: Messziele und Plattformrisiken klären
- Lege höchstens drei geschäftliche Hauptziele fest, etwa qualifizierte Anfragen, Verkäufe oder Terminvereinbarungen.
- Ordne jedem Kanal eine klare Aufgabe zu: Aufmerksamkeit, Information, Vertrauen, Anfrage oder Bindung.
- Prüfe, wie stark Dein Unternehmen von einer einzigen Suchmaschine, Plattform oder Anzeigenquelle abhängt.
- Bewerte bestehendes Tracking rechtlich und technisch, statt pauschal möglichst viele Daten zu sammeln.
- Pflege direkte Kontakte und First-Party-Daten nachvollziehbar und rechtmäßig.
Tag 61 bis 90: Inhalte für Menschen, Suche und KI strukturieren
- Beantworte die wichtigsten Fragen Deiner Zielgruppe auf eigenen Seiten.
- Formuliere kurze Definitionen, konkrete Leistungsbeschreibungen und überprüfbare Aussagen.
- Nutze eindeutige Namen für Unternehmen, Leistungen, Personen und Standorte.
- Überarbeite Inhalte, die Aufmerksamkeit erzeugen, aber kein definiertes Geschäftsziel unterstützen.
- Prüfe regelmäßig, wie Suchmaschinen und KI-Systeme Dein Unternehmen darstellen.
Nach 90 Tagen sollte ein klareres System stehen: eigene Inhalte und Daten als Grundlage, passende Plattformen für die Verteilung und Messziele, die mit dem Betriebsergebnis verbunden sind.
FAQ zur Geschichte des Online-Marketings
Wann begann die Online-Marketing-Geschichte?
Die technische Vorgeschichte begann 1971 mit der netzwerkfähigen E-Mail. Die praktische Geschichte des Online-Marketings setzte mit dem öffentlichen Web ab 1991 ein und wurde mit Suchmaschinen, SEO und bezahlter Suchwerbung ab Ende der 1990er-Jahre wirtschaftlich relevant.
Welche fünf Phasen hatte die Online-Marketing-Entwicklung?
Die fünf Phasen sind E-Mail und Web-Präsenz, Suchmaschinen und SEO, Social Media und Mobile Marketing, Datenschutz und eingeschränktes Tracking sowie die KI-gestützte Suche. Die Phasen überlappen, weil neue Kanäle ältere Kanäle meist ergänzen und nicht vollständig ersetzen.
Was änderte sich durch das Smartphone?
Das Smartphone machte das Internet dauerhaft verfügbar und veränderte Nutzungssituationen, Formate und Erwartungen. Websites, E-Mails, Anzeigen und Kontaktwege mussten schneller und auf kleinen Bildschirmen problemlos nutzbar werden.
Welche Online-Marketing-Kanäle gehören einem Unternehmen selbst?
Zu Owned Media gehören vor allem die eigene Domain, die eigene Website, selbst erstellte Inhalte und rechtmäßig aufgebaute Kontaktlisten. Social-Media-Profile gehören nicht vollständig Deinem Unternehmen, weil Plattformen Regeln, Reichweite und Zugang kontrollieren.
Sind Social Media wichtiger als die eigene Website?
Social Media kann Aufmerksamkeit verteilen, ist aber kein Ersatz für die eigene Website. Für KMU bleibt die Website der kontrollierbare Kern für Information, Vertrauen, Anfragen, First-Party-Daten und Datenhoheit.
Was bedeutet KI-Suche für SEO?
KI-Suche erweitert SEO um die Aufgabe, Unternehmenswissen eindeutig, zitierfähig und maschinenlesbar bereitzustellen. Klassische Rankings bleiben relevant. Gleichzeitig müssen Leistungen, Standorte, Personen und Fachinformationen von Antwortsystemen korrekt verstanden werden können.
Ersetzen KI-Systeme 2026 die klassischen Suchmaschinen?
Eine vollständige Ablösung lässt sich nicht belegen. Klassische Suchergebnisse, AI Overviews, eigenständige KI-Assistenten und direkte Website-Aufrufe bilden 2026 ein Suchumfeld mit unterschiedlichen Nutzungssituationen.
Braucht jedes Tracking wegen der DSGVO eine Einwilligung?
Nein. Die Einwilligungspflicht für Cookies und vergleichbare Technologien folgt primär aus ePrivacy-Regeln und ihrer nationalen Umsetzung. Die DSGVO regelt zusätzlich die Verarbeitung personenbezogener Daten und die Anforderungen an eine wirksame Einwilligung.
Was sollte ein KMU 2026 zuerst verbessern?
Prüfe zuerst Positionierung, Website, Kontaktwege, Messziele und die Abhängigkeit von einzelnen Plattformen. Erst wenn dieses Fundament trägt, solltest Du zusätzliche Inhalte, Google Ads, Social Media oder Maßnahmen für KI-Sichtbarkeit ausbauen.
Quellen
- Lemelson-MIT Program: Ray Tomlinson — lemelson.mit.edu (o. J.)
- CERN: This month in 1991 – The web spreads beyond CERN — home.cern (2011)
- Google: Our Story — about.google (o. J.)
- Google: Happy 15th Birthday, AdWords! — adwords.googleblog.com (2015)
- Meta: Company Info — about.fb.com (o. J.)
- Apple: Apple Reinvents the Phone with iPhone — apple.com (2007)
- Apple Support: If an app asks to track your activity — support.apple.com (o. J.)
- Europäischer Datenschutzausschuss: Guidelines 05/2020 on consent under Regulation 2016/679 — edpb.europa.eu (2020)
- Google: New generative AI experiences in Search — blog.google (2024)
- Google Search: AI Overviews — search.google (Abruf 2026)
- Reuters Institute for the Study of Journalism: Generative AI and News Report 2025 — reutersinstitute.politics.ox.ac.uk (2025)